Die Vereinsauflösung: Ein schwerer, aber (fast) unumgänglicher Entscheid

Ralph AeschimannBlog4 Comments

Der Vorstand schlägt der kommenden Mitgliederversammlung vor, das Forum für kritisches Denken aufzulösen. Lies hier, wie es dazu kam, und was jetzt zu tun bleibt.

Seit längerer Zeit arbeitet der Vorstand unseres Vereins in der statutarisch gerade eben noch zulässigen Minimalbesetzung. Verschiedene Versuche, dies zu ändern, blieben erfolglos. Da alle Vorstandsmitglieder (mit Ausnahme des Präsidenten) voll im Erwerbsleben stehen, sind auch höhere persönliche Einsatzzeiten höchstens punktuell denkbar. Ausserhalb des Vorstands gibt es zwar einzelne Mitglieder, die dazu bereit sind, sich für einzelne Aktionen zu engagieren, jedoch offenbar keine, die sich für eine längerfristige, kontinuierliche Aufbauarbeit einsetzen wollen.

All dies setzte eine Negativspirale in Gang: Die Unterbesetzung des Vorstandes führte zu einer Ausdünnung des Veranstaltungsprogrammes, diese zu einem weniger attraktiven Erscheinungsbild unseres Vereins, und dies wiederum zu immer weniger Mitgliedern, die sich überhaupt noch an unseren Anlässen blicken liessen – selbst an solchen, die inhaltlich höchst interessant und aktuell waren, wie z.B. das Referat von Jean-Marc Neuhaus zur Gentechnologie. Auch die Bereitschaft, die Mitgliederbeiträge zu entrichten, nahm dramatisch ab. Heute steht der administrative Aufwand in keinem vernünftigen Verhältnis mehr zu der leider nur noch marginalen Bedeutung und Aussenwirkung unseres Vereins.

Nach diversen Versuchen, diese Entwicklung aufzuhalten, hat sich der Vorstand deshalb im Rahmen einer Klausursitzung entschieden, die Reissleine zu ziehen: er wird der nächsten Mitgliederversammlung die Auflösung des Vereins beantragen und nach der vollzogenen ordnungsgemässen Abwicklung geschlossen zurücktreten.

Eine andere, ebenfalls diskutierte Strategie wäre ein weitgehendes Zurückfahren der Aktivitäten gewesen, ohne den Verein formell aufzulösen – also sozusagen ein “Winterschlaf”. Der Vorstand konnte sich jedoch nicht für dieses Vorgehen erwärmen, denn einerseits wäre es sehr unsicher, ob und wie der Verein daraus wieder erwachen würde, und es wäre dann auch nicht mehr vertretbar gewesen, Mitgliederbeiträge einzufordern. 

Warum aber steht im Titel dieser Ankündigung ein “fast”? Nun, wir haben eine kleine Hintertüre offen gelassen: Es bräuchte mindestens eine Person, die sich als neuer Präsident bzw. neue Präsidentin mit viel Engagement und mit grossem zeitlichem Aufwand (mindestens entsprechend einem 20%-Pensum) einem echten Neustart widmen könnte; diese Person müsste ausserdem gesellschaftlich und medial gut vernetzt und in der Lage und willens sein, diese Vernetzung zugunsten des Vereines einzusetzen. Zudem bräuchte es mindestens ein weiteres neues Vorstandsmitglied mit vergleichbaren Qualifikationen und Einsatzmöglichkeiten, das als Vize- bzw. Co-Präsident*in amtieren würde. Ausschliesslich unter diesen Bedingungen wären die bisherigen Vorstandsmitglieder bereit, auf den Auflösungsantrag zu verzichten, im Vorstand zu verbleiben und das neue Präsidium nach Kräften zu unterstützen.

Da dieses Szenario nach den bisherigen Erfahrungen jedoch als äusserst unwahrscheinlich gelten muss, sollten wir schon jetzt damit beginnen, die Einzelheiten der Abwicklung vorzubereiten. Hierzu gehört vor allem auch die Verwendung des Vereinsvermögens. Eine Verteilung an die Mitglieder ist statutarisch ausdrücklich ausgeschlossen. Der Vorstand schlägt in erster Linie die befreundeten Organisationen “Freidenkende Schweiz” sowie “Reatch” als Begünstigte vor; weitere Vereinigungen mit vergleichbarer Zielsetzung könnten ebenfalls berücksichtigt werden. Und falls ein Vereinsmitglied noch vor der Auflösung eine Veranstaltung im Rahmen des Vereinszweckes durchführen und aus diesem Vermögen finanzieren möchte, wäre auch dies durchaus denkbar.

Hier besteht also noch etlicher Spielraum, und wir bitten alle Mitglieder um ihre Vorschläge, die wir dann der nächsten Mitgliederversammlung als Anträge vorlegen werden.

Wir möchten diese entscheidende Versammlung möglichst früh im kommenden Jahr abhalten, um eine lange Unsicherheitsperiode zu vermeiden. Deshalb haben wir als provisorisches Datum den 22. Februar 2025 vorgesehen. Wir sind statutarisch verpflichtet, innert 6 Wochen nach dieser Versammlung eine zweite Versammlung einzuberufen, um den Auflösungsentscheid formell zu bestätigen; hierfür haben wir den 8. März vorgesehen. Diese beiden Daten sind indessen noch nicht bestätigt und könnten sich allenfalls auch noch ändern. Trotzdem wäre es nicht falsch, sie schon mal in die Agenda einzutragen – wenn auch vielleicht einstweilen nur mit Bleistift.

Ja, und schliesslich: wenn doch noch zwei “weisse Ritter” auftauchen sollten, die sich gemäss dem oben skizzierten Rettungs-Szenario zur Verfügung stellen möchten, dann bitten wir diese Personen, sich baldmöglichst mit uns in Verbindung zu setzen. In einem solchen Falle würden wir mit dem grössten Vergnügen alles über den Haufen werfen, was wir hier beschrieben haben!

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4 Comments on “Die Vereinsauflösung: Ein schwerer, aber (fast) unumgänglicher Entscheid”

  1. 9….Sind sie noch bei Trost, warum lassen sie sich in Zeiten der ideologischen Kriegsführung verdummen und verkürzen? Die Freiheit ist doch ein Ziel. Und die ist ist in Gefahr. Nicht nur durch die andere seite . Seien sie wachsam, denken sie voraus. Dann wissen sie, was gespielt wird. Und verlieren sie nie über allem die Hoffnung. Denn Freiheit, Schönheit und Würde sind unabhängig von Kontrolle und Machtanspruch. Sie werden immer überleben,.

  2. Inzwischen ist tatsächlich eingetreten, was wir kaum zu hoffen gewagt hatten: zwei “weisse Ritter” haben sich gemeldet, die bereit wären, das Ruder zu übernehmen; unser Revisor Kim Ludvigsen (als Präsident) sowie Maurizio Catelani (als Vize-Präsident) stellen sich zur Verfügung. Damit ist die wichtigste Bedingung dafür erfüllt, dass auch die bisherigen Vorstandsmitglieder bis auf Weiteres in diesem Gremium verbleiben, und dass die Vereinsaktivitäten weitergeführt werden können. Alles Nähere dazu steht im aktuellen Newsletter.

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