Was ist kritisches Denken?

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Kritisches Denken ist das Prüfen von Aussagen (man könnte auch von vernünftigem in Frage stellen sprechen), wobei eine Aussage dann als vorläufig wahr gilt, wenn die Bedingungen für die Gültigkeit dieser Aussage erfüllt sind.

  • Mit Aussage ist gemeint, dass ein Geltungsanspruch auf objektive Wahrheit gestellt wird. Jede und jeder kann und darf Behauptungen über die Realität aufstellen.
  • Bedingungen für Gültigkeit: Jede und jeder kann und darf etwas über die Welt behaupten – das bedeutet aber nicht, dass eine solche Behauptung ohne Weiteres auch wahr ist. Damit eine Behauptung als wahr angesehen werden kann, muss zuerst eine Begründung vorgelegt werden. Die Beweislast liegt dabei bei der Person, welche die Aussage macht: Wenn jemand den Anspruch auf faktische Wahrheit einer Aussage erhebt, muss diese Person auch erklären können, warum dem so ist.

Und was ist Skeptizismus?

Ganz einfach: Skeptizismus ist das Anwenden kritischen Denkens. Bildlich gesprochen ist kritisches Denken das Werkzeug, Skeptizismus die Nutzung dieses Werkzeuges.

Aber du kannst ja das Gegenteil nicht beweisen!

Ich muss das Gegenteil nicht beweisen! Solange für eine Aussage (also eine Behauptung über die Realität) kein Beweis vorliegt, muss sich auch niemand die Mühe machen, das Gegenteil zu beweisen.

Vielleicht ist die betreffende Aussage wahr, vielleicht auch nicht. Solange aber keine überprüfbaren Beweise vorliegen, gibt es auch keinen Grund, die Aussage als wahr anzusehen. Ansonsten landen wir schnell in einer absurden Situation: Jede noch so beweislose Aussage gilt solange als wahr, bis sie widerlegt ist.

Was ist Wissenschaft?

Eigentlich nichts anderes als eine Sphäre des organisierten Skeptizismus. Wissenschaft ist ein Teilbereich der Öffentlichkeit, der sich auf die kritische Wahrheitssuche spezialisiert hat: Die Welt wird mit verschiedenen Messinstrumenten beobachtet (und zwar in einer wiederholbaren Art und Weise), Aussagen (im wissenschaftlichen Jargon «Hypothesen») werden kritisch auf ihren Wahrheitsgehalt geprüft, bestehendes Wissen wird bei Bedarf ergänzt oder durch neues ersetzt (sprich: Bestimmte vorläufig gestützte Hypothesen werden widerlegt – oder in wissenschaftlichem Jargon: «falsifiziert»).

Daraus ergeben sich grundlegende Kriterien, welche die Wissenschaft als rationale Methode der Erkenntnissuche erfüllen muss. Die wichtigsten sind:

  • Ergebnisoffenheit: Die Überprüfung von Theorien und daraus abgeleiteter Hypothesen kann zum Schluss kommen, dass die betroffenen Theorien und Hypothesen nicht gestützt werden und zu verwerfen sind.
  • Widerlegbarkeit: Eine rationale Aussage bedeutet stets, dass diese im Prinzip widerlegbar sein muss. Eine Aussage (Hypothese), welche sich als unwiderlegbar zu präsentieren versucht, ist automatisch irrelevant, da unüberprüfbar.
  • Reproduzierbarkeit: Die Ergebnisse empirischer Untersuchungen müssen unter Anwendung der gleichen Methoden erneut zustande kommen.

Wahrheit, gibt es das überhaupt?

«Wahrheit» in einem rational-aufgeklärten, der wissenschaftlichen Methode entsprechenden Sinn meint immer vorläufige Wahrheit: Durch empirische Befunde gestütze theoretische Annahmen. Vorläufige Wahrheit ist immer revidierbar: Bestehendes Wissen kann immer durch neuere Befunde ergänzt oder sogar gänzlich verworfen werden. Vorläufige Wahrheit ist nie abgeschlossen, ist nie absolut.

Und was ist Pseudowissenschaft?

Pseudowissenschaft ist etwas, was sich als Wissenschaft ausgibt, in Tat und Wahrheit aber keine Wissenschaft ist; meistens, weil sie sich nicht an die grundlegenden Kriterien der wissenschaftlichen Methode hält.

Wie erkenne ich Pseudowissenschaft?

  • Pseudowissenschaft verletzt die Kriterien der wissenschaftlichen Methode meist auf eine der folgenden Arten:
  • Pseudowissenschaft sieht Forschung nur als Mittel, um die jeweilige Lehre zu bestätigen (= keine Ergebnisoffenheit)
  • pseudowissenschaftliche Inhalte werden als absolute Wahrheiten formuliert (= keine Widerlegbarkeit)
  • als vermeintliche Beweise werden subjektive, also unüberprüfbare und nicht wiederholbare Anekdoten ins Feld geführt (= keine Reproduzierbarkeit).

Aber SkeptikerInnen sind doch einfach zynisch und wollen nichts Neues akzeptieren!

Falsch! Skeptisch Denkende sind sogar maximal offen für Neues: Die obigen Kriterien für wissenschaftliches, also skeptisches Vorgehen bedeuten, dass alle Ergebnisse willkommen sind. Pseudowissenschaft hingegen lehnt Ergebnisse ab, welche die eigenen Lehren in Frage stellen.

Aber ist kritisches Denken am Ende so wichtig? Es macht ja nichts, wenn die Leute glauben, was sie wollen?

Wir wollen – und können – niemandem das Recht auf den eigenen, subjektiven Glauben nehmen. Wie aber das alte Sprichwort schön beschreibt: Jede und jeder hat das Recht auf eine eigene Meinung, aber nicht jede und jeder hat das Recht auf eigene Fakten.

Wahrheitssuche kann nur über den Modus kritischen Denkens funktionieren. Wo kritisches Denken suspendiert oder gar abgeschafft wird, dort werden Menschen nicht nur an Fortschritt gehindert, sondern zugleich zurück in Zeiten der Unmündigkeit und des Aberglaubens gezerrt.

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